„Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten“

„Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten“ © Greg Rakozy/Unsplash
Jesus sagte seinen Jüngern am letzten Abend seiner menschlichen Existenz: „Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten“ (Johannes 14,2; Züricher Bibel). Was meinte er damit?

Wenn wir uns auf die vor uns liegende Ewigkeit konzentrieren, müssen wir verstehen, wohin wir uns bewegen, wie sie ermöglicht wird und was uns erwartet.

Von Robin Webber

Zum Abschluss des letzten Artikels dieser Serie „Folgt mir nach!“ mit dem Titel „Unsere Augen auf die Ewigkeit richten“ in der letzten Ausgabe von Gute Nachrichten schrieb ich, dass wir beim nächsten Mal gemeinsam die Ewigkeit erforschen würden. Hier sind wir nun. Sind Sie bereit?

Jesus sagte seinen Jüngern am letzten Abend seiner menschlichen Existenz: „Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten“ (Johannes 14,2; Züricher Bibel). Die Formulierung „Ich gehe“ vermittelt das Gefühl, dass er mit seinem Fortgang sicher war, etwas Besonderes vorzubereiten, das noch in der Zukunft liegt. Was meinte er damit?

Worauf sollen wir unsere Aufmerksamkeit richten, wenn es um die Ewigkeit geht? Dies ist eine wichtige Frage.

Über den Abenteurer Christoph Kolumbus wird gesagt, dass er „nicht wusste, wohin die Reise ging, nicht wusste, wo er war, als er angekommen war; und als er zurückkam, wusste er nicht, wo er gewesen war – und das alles mit geliehenem Geld“.

Kolumbus war auf der Suche nach einem Weg zu einem neuen Land, und wir sind es auch. Aber im Gegensatz zu Kolumbus’ Reise lassen uns unser himmlischer Vater und Jesus Christus verstehen, wohin wir gehen und warum und für wen wir es tun. Dieses Verständnis hilft uns auf unserer geistlichen Pilgerreise in diesem Leben, wenn wir Christi Aufforderung „Folgt mir nach!“ befolgen (siehe Philipper 3,14; Matthäus 4,19).

Gott offenbart uns dieses Verständnis durch die Bibel. Befassen wir uns nun mit der Ewigkeit, eine Schriftstelle nach der anderen.

Die innige Gemeinschaft der Ewigkeit

Unser erster Schritt zur Entdeckung der „Stätte“, die Jesus uns bereitet, besteht darin, die Art und Weise zu erfassen, in der Gott, der Vater, und sein Sohn in ihrem übernatürlichen, vorkosmischen Zustand existieren. Gott bietet diese Selbstoffenbarung in Jesaja 57, Vers 15 an: „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in der Ewigkeit wohnt, der, dessen Name der Heilige ist: Ich wohne an der hohen, heiligen Stätte ...“ („Neues Leben“-Übersetzung).

Hier werden wir in einen anderen Bereich jenseits unserer Welt von Raum und Zeit eingeführt. Das hebräische Wort für Ewigkeit in diesem Vers ist ad, was für Kontinuität steht und so viel bedeutet wie ewig und immer zu sein, ohne Anfang und Ende. Damit wird nicht nur ein Ort definiert.

Kein greifbares, von Menschenhand geschriebenes „X“ könnte einen Punkt namens Ewigkeit markieren. Vielmehr bezeichnet die Ewigkeit die grenzenlose Existenz Gottes. Und sich auf die Ewigkeit zu konzentrieren heißt, sich auf Gott zu konzentrieren, der allein das ewige Leben in sich hat.

Allerdings gibt es im Buch Prediger einen erstaunlichen Vers über das, was Gott dem Menschen bei seiner Erschaffung einpflanzte: „Er [Gott] hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr [der Menschen] Herz gelegt“ (Prediger 3,11; alle Hervorhebungen durch uns). Indem Gott die Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, hat er damit auch einen Samen der Sehnsucht nach der Ewigkeit in uns gepflanzt, was nur durch eine innige Beziehung zu ihm, dem Ewigen, befriedigt werden kann.

Selbst nach der Vertreibung des Menschen aus dem Garten Eden bleiben ein Durst und ein tiefer Hunger nach einem Sinn für unser Leben jenseits von Raum und Zeit, die unser physisches Dasein eingrenzen. Die menschliche Geschichte zeigt, wie man mit unzulänglichen Mitteln an den falschen Orten nach der Ewigkeit gesucht hat. Einfach ausgedrückt: Auf dem Weg zur Ewigkeit gibt es keine Abkürzungen oder Schleichwege!

In der letzten Nacht seines menschlichen Lebens vor fast 2000 Jahren betete Christus ernsthaft mit einem präzisen Wunsch: „So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast“ (Johannes 17,1-2).

Jesus flehte den Vater an, er möge in dieser Zeit bei ihm sein, damit er als Sühneopfer dargebracht werden konnte. Er versöhnte dadurch die Menschen mit Gott und ermöglichte so ihre Beziehung zu ihrem himmlischen Vater, damit Jesus ihnen das ewige Leben geben kann.

Dann definierte er, worum es bei der Ewigkeit letztlich geht: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Johannes 17,3). Hier entdecken wir, dass das ewige Leben in erster Linie auf einer persönlichen Beziehung mit Gott beruht!

Das Wort „erkennen“ wird hier vom griechischen Begriff ginosko übersetzt, was auf eine enge, warme, ja sogar leidenschaftliche Intimität hinweist. Mit demselben Wort wird uns z. B. gesagt, dass Jesu Mutter Maria von keinem Mann körperlich „gewusst“ hat (Lukas 1,34). Das alttestamentliche hebräische Gegenstück yada wird auch für die körperliche Vereinigung zwischen Mann und Frau verwendet (siehe 1. Mose 4,1).

Natürlich ist es Gottes Wunsch, sich nicht im Fleisch, sondern im Geist und in der Heiligkeit innig mit denen zu verbinden, die nach seinem Bild geschaffen wurden (siehe 1. Korinther 6,16-17). Gottes Absicht wird in der Heiligen Schrift deutlich offenbart: Er ist unser Gott und wir sollen sein Volk sein (3. Mose 26,12; Jeremia 31,33; Hebräer 8,11-12).

Die Ewigkeit hat ihren Preis!

Wir sollen also verstehen, dass die Ewigkeit in erster Linie durch eine innige und persönliche Beziehung zu Gott definiert wird, der die Ewigkeit „bewohnt“, und dass Jesus Christus „die Tür“ und „der Weg“ ist, um in eine solche Existenz einzutreten (siehe Johannes 10,7; Johannes 14,6). Dann können wir beginnen, die wahrhaft wunderbare Zukunft zu verstehen, die für uns vorbereitet wird. Im Gegensatz zu Christoph Kolumbus basiert unsere geistliche Reise in die Ewigkeit nicht auf „geliehenem Kapital“, sondern wird durch ein vollkommen freiwilliges Geschenk der Liebe bezahlt.

Ja, die Erlösung ist ein Geschenk! Wir können sie uns nicht durch menschliches Bemühen verdienen oder uns den Eintritt in die Ewigkeit erarbeiten. Die Errettung kommt durch Gottes Gnade mittels der Gabe des Blutes Christi. Und das, obwohl die Bibel uns zeigt, dass Reue, Unterwerfung unter Gott, Gehorsam und Veränderung durch Gottes heiligen Geist erforderlich sind, um diese Gabe zu erhalten.

Was bedeutet das für uns jetzt? Jesus Christus, der von Ewigkeit her existiert hat, ist in unser Reich von Raum und Zeit eingetreten und ist, nachdem er im Fleisch gelebt hat und gestorben ist, für immer in die Ewigkeit zurückgekehrt, wo er uns jetzt eine Stätte bereitet! Dies anzuerkennen und im Gegenzug unser Leben im Glauben und mit Dankbarkeit für diesen höchsten Ausdruck der Liebe dem Willen Gottes unterzuordnen, signalisiert unsere fortwährende Wertschätzung des Opfers Jesu für uns.

Wir streben dann mit Gottes Hilfe danach, heilig zu sein, wie er heilig ist (siehe 3. Mose 19,2; 1. Petrus 1,16). Damit ist gemeint, dass wir danach streben, Gott zu gehorchen und ihm in jeder Hinsicht ähnlich zu werden. Wir sollen vollkommen sein, wie unser himmlischer Vater vollkommen ist (Matthäus 5,48).

Worauf warten wir noch?

Dennoch könnten einige gegen die Idee des ewigen Lebens selbst Einspruch erheben und denken: „Ich will nicht weiterleben, denn was ich bereits erlebe, kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Und Sie wollen mir die Ewigkeit schmackhaft machen?“

Diese Reaktion kann ich verstehen! Aber ich spreche von einer lohnenden und zielbewussten Ewigkeit in inniger Einheit mit unserem himmlischen Vater und seinem Sohn, unserem älteren Bruder Jesus Christus (Hebräer 2,9-12). Sie versprechen uns eine wunderbare Zukunft, die sich von der weitverbreiteten Fehleinschätzung des abgewandelten Christentums unserer Zeit unterscheidet, wonach wir Milliarden Jahre lang nur faul im Himmel herumliegen werden!

Derselbe ältere Bruder wird uns an der Schwelle zwischen Raum und Zeit und der Ewigkeit begrüßen und uns in seiner Daseinssphäre willkommen heißen. Damit wird er sein Versprechen einlösen, für uns „eine Stätte zu bereiten“. Anders als Christoph Kolumbus werden wir wissen, dass wir an unserem endgültigen Ziel angekommen sind – dem ewigen Leben in der Familie bzw. im Reich Gottes.

Dies führt mich heute zu einer letzten Frage: Warum sollten wir die Ewigkeit erleben wollen? Ist es nur, um die Kopf- und Herzschmerzen dieser Welt von Raum und Zeit hinter uns zu lassen? (Das wäre auf jeden Fall ein durchaus verständlicher Wunsch!) Oder sollte es uns nicht darum gehen, unsere ultimative Begegnung des Einsseins mit unserem himmlischen Vater und Jesus Christus zu erleben?

Bedenken Sie, dass die ersten Christen nicht nur auf das Eintreten eines Ereignisses warteten. Sie warteten auf jemanden, der kommen wird – auf den wiederkehrenden Jesus Christus!

Wie ist es, wenn Sie jemanden am Bahnhof oder am Flughafen abholen? Warten Sie nur auf den einfahrenden Zug oder die Landung des Flugzeugs, oder warten Sie auf den, der aussteigt? Stellen Sie sich vor, dass es jemand ist, den Sie lieben und der Sie liebt! Sie sind dort, um das Gesicht dieser Person zu sehen, ihr Lächeln zu erleben und sie zu berühren. Vielleicht möchten Sie sie umarmen und einfach nicht loslassen. Ist es nicht das, was wirklich zählt?

Am Ende des Tages – oder vielleicht sollte ich sagen, am Schluss von Raum und Zeit – geht es bei der Ewigkeit nicht darum, auf eine Uhr zu schauen, die für immer stehen geblieben ist. Nein, es geht um Sie und Gott.

Die Sehnsucht des Lebens soll erfüllt werden

Bevor ich vorerst schließe, beschreibt die Heilige Schrift jenen letzten Moment der Begegnung, wenn die Tür der Ewigkeit weit aufgeht und Gott, der Vater, hinausgeht, um die ganze vervollkommnete Menschheit zu umarmen – nicht auf dem Bahnsteig am Bahnhof, sondern wie der Apostel Johannes es in Offenbarung 21, Verse 1-3 beschreibt:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen . . . Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“

Offenbarung 22, Verse 3-4 beschreibt die unglaublich persönliche Beziehung, die die treuen Diener Gottes mit Gott erleben werden: „Und der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein.“

Mose war es nicht möglich, Gottes Angesicht zu sehen und dabei am Leben zu bleiben (2. Mose 33,20). Doch dann werden er und alle treuen Gläubigen Gott sehen. Dann wird sich die Verheißung, die Jesus in seiner Bergpredigt verkündete, erfüllen: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen“ (Matthäus 5,8).

Wir haben in diesem Beitrag nur flüchtig in die Ewigkeit geschaut. Doch die Berufenen Gottes wissen, wohin sie gehen, wer sie aufnehmen wird und was der „Eintrittspreis“ für die Aufnahme in die ewige Familie Gottes ist. Wir haben durch die Schrift begriffen, dass es die Beziehung zu Gott ist, die die Ewigkeit definiert.

Jetzt sind wir auf dem Weg zum Verlassen unseres Bereichs von Raum und Zeit, indem wir weiterhin der Aufforderung Jesu „Folgt mir nach!“ nachkommen.

In der nächsten Ausgabe werden wir unsere Untersuchung der Ewigkeit fortsetzen.

– Gute Nachrichten Juli-August 2020 PDF-Datei dieser Ausgabe

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