Hat Jesus seinen Vater ignoriert?

Von der Redaktion

Manchem Leser wird unsere Frage vielleicht wie der Vorwurf vorkommen, Jesus habe die Zehn Gebote nicht gehalten. „Ehre Vater und Mutter“ gehört auch dazu, und hätte Jesus seinen Vater ignoriert, so müsste ein solches Verhalten als Verstoß gegen dieses Gebot gesehen werden. Damit würde aber in Frage gestellt sein, ob Jesus unser Erlöser war.

Selbstverständlich hat Jesus seine Eltern geehrt. Jesus erwies seiner Mutter Maria Ehre, als er am Kreuz hängend den Apostel Johannes dazu aufforderte, für sie zu sorgen (Johannes 19,27). Lukas berichtet uns, dass der zwölfjährige Jesus seinen Eltern gehorsam war (Lukas 2,51). Abgesehen davon, dass Jesus später als „der Sohn des Zimmermanns“ genannt wird (Matthäus 13,55), wird Josef kein weiteres Mal im Leben Jesu erwähnt. Deshalb gehen die meisten Kommentatoren davon aus, dass Josef nach dem zwölften Lebensjahr Jesu gestorben war. Auf jeden Fall hat Jesus ihm gehorcht.

Unsere Frage hat jedoch nicht mit Josef zu tun, sondern mit der Dreieinigkeit und Jesu übernatürlichem Vater. Die Dreieinigkeit ist eine der wichtigsten Lehren des herkömmlichen Christentums. Der Glaube, dass Gott aus drei Personen besteht, die in einem Wesen oder einer Wesenheit gemeinsam existieren – wie von dieser Doktrin oft definiert –, wird von Millionen von katholischen, protestantischen und orthodoxen Gläubigen für wahrheitsgemäß gehalten. Gott, der Vater, Gott, der Sohn, und Gott, der heilige Geist, sollen alle wesensgleich sein.

Im Matthäusevangelium lesen wir Folgendes über Jesu Geburt: „Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist“ (Matthäus 1,18-20).

Matthäus’ Aussage ist eindeutig: Marias Schwangerschaft war auf den heiligen Geist zurückzuführen. Wäre der heilige Geist die dritte Person eines dreieinigen Gottes, so müsste er ja als Christi Vater gelten. Dennoch nennt Christus nicht den heiligen Geist seinen Vater, sondern Gott, den Vater (Johannes 14,16). Wäre der heilige Geist eine Person, dann hätte Jesus Christus seine Gebete Zeit seines menschlichen Lebens an die falsche Adresse gerichtet. In allen vier Evangelien betet Christus nämlich zu Gott als seinem Vater – deutlich unterschieden vom heiligen Geist.

Jesus hat ebenfalls nie vom heiligen Geist als einer göttlichen dritten Person gesprochen. Stattdessen hat er in zahlreichen Abschnitten nur von der Beziehung zwischen Gott, dem Vater, und sich selbst gesprochen (Matthäus 26,39; Markus 13,32; 15,34; Johannes 5,18. 22). Der heilige Geist als Person fehlt grundsätzlich in Christi Lehren.

Jesus hat seinen übernatürlichen Vater nie ignoriert, denn der heilige Geist, durch den die Schwangerschaft Marias zustande kam, ist nicht die dritte Person eines dreieinigen Gottes, sondern wurde von einem Engel als „die Kraft des Höchsten“ (Lukas 1,35) beschrieben. Es ist die gleiche Kraft, die das Universum geschaffen hat und erhält und die auch wir von Gott, dem Vater, erhalten können!

– GN Mai-Juni 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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