Von der Redaktion

Jerusalem als „Gründung des Streits“

„Betet für den Frieden Jerusalems!“, so der israelitische König David vor ca. 3000 Jahren (Psalm 122,6; „Hoffnung für alle“-Übersetzung). Die Notwendigkeit des Gebets für den Frieden Jerusalems, zu dem David damals aufgerufen hat, könnte man rückblickend als prophetisch einstufen. Warum das? Die Antwort lässt sich schnell finden: Manche Historiker meinen, dass mehr Schlachten um Jerusalem geführt worden sind als um irgendeine andere Stadt der Welt. Demnach wäre Jerusalem keineswegs eine „Gründung des Friedens“, so die Bedeutung des Namens Jerusalem, sondern eine fast ständige Quelle des Streits gewesen.

Unter osmanischer Herrschaft war Jerusalem zwar im politischen Weltgeschehen ca. 400 Jahre lang eher eine vergessene Stadt. Das änderte sich aber mit der Niederlage der Türken im Ersten Weltkrieg und der Entstehung neuer Nationen im Nahen Osten. Die Staatsgründung Israels hinterließ eine geteilte Stadt. Als Israel während des Sechstagekriegs im Juni 1967 die Hoheit über Ost-Jerusalem gewann, wurde das jüngste, aber noch nicht letzte Kapitel der unruhigen Geschichte Jerusalems geschrieben.

Bei den Friedensverhandlungen der letzten Jahrzehnte zwischen Israelis und Palästinensern wurde die Zukunft Jerusalems bislang stets ausgeklammert. Ein Artikel in der New York Times fasste die Problematik schon im Jahr 2000 zusammen: „Über Jerusalem reden israelische und palästinensische Führer in der Öffentlichkeit nur selten ohne Schwarz-Weiß-Szenarien. Einerseits ist es die ,ewige ungeteilte Hauptstadt‘ Israels, andererseits die zukünftige Hauptstadt des palästinensischen Staates – anscheinend unvereinbare Konzepte, die viele intelligente Politiker zu der Empfehlung veranlasst haben, dass man die Angelegenheit bei den gegenwärtigen, angeblich endgültigen Friedensverhandlungen ungelöst lassen sollte“ (21. Mai 2000).

Der ungewisse Status Jerusalems führte dazu, dass die Länder mit diplomatischen Beziehungen zu Israel ihre Botschaft in Tel Aviv haben. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, bricht mit diesem jahrzehntelangen Status quo. Der türkische Staatspräsident Recep Erdogan, der die Situation anscheinend zur Förderung seines Ziels nutzen will, der Sprecher des islamischen Nahen Ostens zu sein, verurteilte Trumps Vorhaben. Damit würden die USA „die rote Linie“ für Muslime überschreiten, so Erdogan.

Obwohl die UN-Generalversammlung die Entscheidung der USA mit überwältigender Mehrheit verurteilte, scheinen einige Länder dem Schritt Amerikas folgen zu wollen. Guatemala kündigte bereits die Verlegung seiner Botschaft nach Jerusalem an, und Israels Premierminister Netanyahu meinte vor der Presse, andere Länder wurden sich bald ähnlich verhalten.

Unser Beitrag auf Seite 9 in dieser Ausgabe zeigt Ihnen die historische und prophetische Dimension der Balfour-Deklaration des Jahres 1917, die zur Staatsgründung Israels führte. Vor ca. 2500 Jahren sagte der Prophet Sacharja voraus, Jerusalem würde „zum Taumelbecher für alle Völker“ werden. Sacharjas Worte werden sich in den kommenden Jahren leider als zutreffende Beschreibung der verfahrenen Situation Jerusalems erweisen.

„Jerusalem, in dir regiert Davids Königshaus“, schrieb König David im Kontext seines Aufrufs um das Gebet für den Frieden Jerusalems (Psalm 122,5; ebenda). Davids Nachkomme Jesus von Nazareth wird bei seiner Rückkehr dafür sorgen, dass Jerusalem der Bedeutung seines Namens als „Gründung des Friedens“ alle Ehre machen wird.

– GN Januar-Februar 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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