Gruppendruck:
Positiv oder negativ?
Der Freundeskreis ist vielen Jugendlichen sehr wichtig.
Hier sind einige Vorschläge, wie man sich gegen negativen
Gruppendruck stark machen kann.
Von Jerold Aust
Teenager leben heute in einer sehr viel komplizierteren
Welt, die einiges mehr von jungen Menschen abverlangt, als
viele von uns älteren Erwachsenen es je in diesem Alter
erlebt haben. Normalerweise waren wir in diesem Alter nicht dem
Druck ausgesetzt, Drogen auszuprobieren oder zu nehmen.
Heutzutage gibt es aber eine breite Vielzahl an illegalen
Drogen, mit denen Jugendliche auf Partys, in der Schule und auf
Veranstaltungen in Berührung kommen können.
Obwohl auch unsere ältere Generation damals in
Versuchung kam, genauso wie Teenager heute, Alkohol zu
mißbrauchen und zu rauchen, war die damalige
Unterhaltungsindustrie hingegen nicht so sehr in Gewalt und
moralischer Perversion versunken, wie es jetzt der Fall ist. Es
gab damals kaum Computer, Kabelfernsehen und Filme
„für Erwachsene“ (im modernen Sinne). Das
Leben schien einfacher gewesen zu sein.
In einem Aspekt gleichen die Teenager von heute allerdings
den Jugendlichen aus vergangenen Generationen. Der starke
Wunsch, von Gleichaltrigen akzeptiert zu werden, verbindet alle
Menschen aller Altersgruppen. Erwachsene, die diesen Artikel
lesen, können meist sehr gut verstehen, wie Du Dich als
Teenager fühlst. Auch wir haben einige der Erfahrungen
gemacht, die Du gerade machst.
Wenn man Eltern oder Lehrer fragt, was den
größten Einfluß auf Kinder und Jugendliche
ausübt, werden viele den sogenannten Gruppendruck unter
Gleichaltrigen nennen. Für junge Menschen sind materielle
Dinge, die Frage, wer mit wem geht, gesellschaftlichen Aspekte
und die Frage „Gehöre ich dazu?“ sehr
wichtig.
Der natürliche Wunsch, zu einem bestimmten
Freundeskreis zu gehören, kann so groß sein,
daß junge Menschen ihre eigenen Werte aufgeben,
insbesondere dann, wenn diese Gruppe andere Werte vertritt als
die eigenen Familie.
Gruppendruck muß nicht immer schlecht sein. Freunde
können sich untereinander auch zu positiven Leistungen
anspornen. Larry Blum, ein amerikanischer Schulpsychologe hat
beobachtet, daß Kinder, die sich in der Schule und bei
Vereinsaktivitäten engagieren, oft ein positives
Lebensgefühl verbreiten, welches sich auch auf andere
überträgt. Er sagt:„Schulaktivitäten
schaffen Situationen, die Werte stärken und wo Kinder
positive Erfahrungen machen können. Deshalb fördern
wir diese Gelegenheiten so sehr“ (The Gazette
Company, „Shaping values of our children“,
1997).
Schwierig wird es, wenn sich der Druck unter Gleichaltrigen
zu einem negativen Verhalten entwickelt. Wie kann man am besten
mit dieser Art von Gruppendruck umgehen?
Ich habe oft folgende ernst gemeinte Frage
gehört:„Ich verstehe mich selbst nicht mehr –
warum mache ich anderen Jugendlichen etwas nach, von dem ich
weiß, daß es nicht gut ist? Es fällt mir
schwer, nicht nachzugeben. Was kann ich machen, um mir und
meinen Freunden zu helfen?“ Wenn Du Dir diese Frage
gerade selbst stellst, dann gibt es Schritte, die Du
unternehmen kannst, um Dein eigenes Leben und das Deiner
Freunde zu verbessern.
In den vergangenen Jahren habe ich Teenagern immer wieder
eine Strategie angeboten, um erfolgreich mit Gruppendruck
umzugehen. Sie hat anderen geholfen, vielleicht hilft sie
Dir.
Der Einfluß der Gruppe
Es ist eine äußerst schwierige Situation für
junge Menschen (und ältere), wenn man sich in einer Gruppe
von Freunden befindet, die plötzlich, moralisch gesehen,
den Halt verliert. Was kann man in einer solchen Situation tun?
Kann man überhaupt etwas tun?
Zuerst einmal muß man sehr vorsichtig sein, einer
Gruppe zu folgen, deren kollektives Denken sich zum Negativen
hinwendet. Gruppen können vom Weg abkommen, weil sie mehr
nach ihrem Gefühl handeln statt nach dem gesunden
Menschenverstand. Wenn ein Gruppenmitglied die Führung
unter seinen (oder ihren) Freunden übernimmt, werden die
meisten Gruppenmitglieder seinem Einfluß folgen, ob er
nun positiv oder negativ ist. Bevor man es überhaupt
bemerkt, werden einige der schwächeren Gruppenmitglieder
die Meinung des Anführers übernehmen. So kann das
sogenannte Gruppendenken entstehen.
Gruppendenken kann sehr schnell in eine falsche Richtung
umschwenken. Ein selbsternannter Gruppenführer
schlägt etwas Gefährliches und Riskantes vor –
wie z. B. Drogen zu nehmen, Ladendiebstahl zu begehen,
oder sich an Vandalismus und anderen Gewalttaten zu beteiligen
–, nur um sich selbst in den Augen der Gruppe auf eine
höhere Stufe zu stellen. Dabei ist zu beachten, daß
der anführende Jugendliche selten seine eigene Haut
riskiert. Er wird immer versuchen, daß andere
Gruppenmitglieder das größte Risiko
übernehmen.
Wenn man diese Anzeichen unter seinen Freunden erkennt, ist
es Zeit, den Rückzug anzutreten. Wissen ist Macht. Es ist
gut auf warnende Hinweise zu achten, die eine Situation
ankündigen, die einen in Schwierigkeiten bringen kann.
Man kann sich dann z. B. einfach still
zurückziehen, bevor man sich zu Handlungen verleiten
läßt, die einen selbst oder andere in Gefahr
bringen. Plötzlich fällt einem ein, daß man
noch etwas anderes zu tun hat. Dies stimmt ja, weil man seine
Zeit an einem anderen Ort besser nutzen kann.
Wenn man ohne etwas zu sagen gehen kann, ist es
natürlich am besten. Teenager sind häufig nicht allzu
gut mit den Grundlagen sozialer Psychologie vertraut, als
daß sie sich redegewandt und überzeugend gegen den
Strom einer großen Gruppe stemmen könnten. Es gibt
Gelegenheiten, wo ein Teenager dies schafft, aber es ist sehr
schwer und riskant. Weiser ist es, einfach zur Seite zu treten
und sich, ohne viel Aufhebens zu machen, von der Gruppe zu
entfernen.
Kathleen Dolan, eine Schülerin der Hudson High School
in Hudson, Wisconsin bestätigt mit ihren Erfahrungen das
biblische Prinzip, daß ein guter Charakter durch
schlechte Gesellschaft verdorben werden kann. An ihrer Schule
ist der Gruppendruck zu rauchen, zu trinken oder Drogen
auszuprobieren, sehr stark.
„Der Druck wirkt nicht so offensichtlich, eher
schleichend. Normalerweise geht es so: ,Oh, komm doch zur
Party. Es wird toll werden! Alle gehen dort hin!‘ Wenn
man dann dort ankommt, gibt es Alkohol und Drogen, die auch
konsumiert werden. Setzt man sich dem oft genug aus, fängt
man irgendwann an zu glauben, daß es schon in Ordnung
ist, auch Drogen zu benutzen oder exzessiv zu trinken.
Und irgendwann gibt man dann nach und macht einfach mit. Das
beste ist, gar nicht erst auf solche Partys zu gehen, sondern
sich an anderen Aktivitäten zu beteiligen, die auch viel
Spaß machen, wo es aber keinen Alkohol und keine Drogen
gibt. Nimmt man die Einladung zu einer Party an, wo die
Gäste vielleicht schon abhängig sind, stimmt man
eigentlich durch die eigene Gegenwart ihrem Mißbrauch
zu“ (www.hazeldon.org).
Wer ist ein wahrer Freund?
Wie definierst Du einen wahren Freund? Wenn Deine Freunde
Dich dazu verleiten, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten oder
andere zu verletzten, sind sie keine guten Freunde. Ein wahrer
Freund ist an Deinem Wohlergehen interessiert und bringt Dich
nicht in Gefahr. Er wird Deinen Ruf schützen, wenn Du
selbst nicht da bist, um Dich zu verteidigen. Ein wahrer Freund
respektiert Dich und Deine Werte. Wie sieht es bei Deinen
Freunden aus?
Eltern warnen nicht umsonst seit vielen Generationen,
daß man bei der Wahl der eigenen Freunde vorsichtig sein
muß.
Jeder sollte sich an die Definition eines wahren Freundes
erinnern. Vorsicht und kritisches Denkvermögen sollte bei
der Auswahl der eigenen Freunde angewandt werden. Die
Bezeichnung Freund sollte nicht zu leichtfertig vergeben
werden.
Die Wichtigkeit von Charakter
Ein guter Charakter sollte an oberster Stelle bei der
Auswahl eines Freundes oder einer Freundin stehen.
Einer der weisesten Männer in der Geschichte der
Menschheit, der je gelebt hat, empfiehlt, bei einem Freund auf
den guten Ruf zu schauen, statt auf dessen Reichtum
(Sprüche 22,1). Wir leben in einer Welt des moralischen
Relativismus. Es gilt die Einstellung:„Ich bin okay, du
bist okay! Es ist egal, was wir denken oder tun, solange wir
keinem anderen schaden.“
Laß Dich nicht hinters Licht führen! Alles, was
wir denken oder tun, hat direkt oder indirekt Auswirkungen auf
andere. Wenn Du z. B. ständig Filme voller Gewalt und
Sex konsumierst, wird dies zum Bestandteil Deines Denkens und
es wird Deinen inneren Widerstand schwächen. Sieht man auf
der anderen Seite positive und bildende Dinge, ist es leichter,
dem Gruppendruck gegenüber standhaft zu bleiben, wenn sich
die Gruppe gefährlichen Dingen zuwendet.
Höre nicht auf andere, die meinen, daß richtige
moralische Prinzipien immer von der gegenwärtigen
Situation abhängen und je nachdem geändert werden
können. Es gibt Gesetze und Werte, die universell
gültig sind, egal ob sie gerade vom Zeitgeist der
Gesellschaft akzeptiert werden oder nicht. Das Prinzip von
Ursache und Wirkung läßt sich nicht
wegdiskutieren.
Wenn junge Menschen sich z. B. dafür entscheiden, Sex
im Alter von 14 oder 15 Jahren zu haben, weil
„alle“ es tun, oder weil es von Hollywood so
gezeigt wird, bedeutet das noch lange nicht, daß man
diesen Weg folgen sollte. Denke daran, daß niemand Dich
zu dieser Entscheidung zwingen kann. Es ist Dein Körper
und Dein Leben. Die Entscheidung und Verantwortung dafür
trägst allein Du selbst. Wenn Du eine Entscheidung
getroffen hast, mußt Du auch die Konsequenzen alleine
tragen. Freunde sind meistens nicht mehr an Deiner Seite, wenn
es in Deinem Leben schwierig wird. Überlege Dir einmal:
Würde ein Baby im Teenageralter Dir helfen, die
Träume von einer guten Schulausbildung, einer guten
Karriere oder Reisen in die ganze Welt zu erfüllen?
Das Leben selbst in die Hand nehmen
Freunde können einen großen Einfluß auf das
weitere Leben haben, im guten oder positiven Sinne. Gute
Freunde zu finden ist nicht einfach. Wenn Du eines Tages nicht
aufwachen willst, um zu erkennen, daß Du eigentlich nie
Dein eigenes Leben gelebt hast, sondern immer nur das von
anderen, wenn Du Dein Leben selbst in die Hand nehmen willst,
mußt Du lernen, richtige Entscheidungen für Dich
selbst zu treffen, auch wenn es bedeutet, sich gegen die gerade
angesagte Meinung zu stellen.
Dein Beispiel kann sogar auf Deine Freunde abfärben.
Wenn sie sehen, daß Du ein ausgeglichenes Leben
führst, Spaß an der Schule, am Sport und an anderen
Aktivitäten hast, daß Du Ziele hast, die Du
erreichen möchtest, kann es sogar sein, daß andere
Jugendliche Dir nacheifern werden und Du zum Anführer
wirst. Das ist schon öfters vorgekommen, warum sollte es
bei Dir nicht auch so sein?
Gute Entscheidungen für Dein eigenes Leben zu treffen
ist der beste Weg, die Welt zu verändern. Du weißt,
daß viele Teenager nicht rauchen oder trinken.
Statistiken konzentrieren sich auf diejenigen, die es tun. Doch
die meisten Teenager treffen gute Entscheidungen für sich
selbst. Wenn 26 von 100 Jugendlichen in Deutschland rauchen,
bedeutet es auch, daß 74 Teenager „Nein
danke!“ gesagt haben. Sie ließen es nicht zu,
daß andere sie zu etwas zwangen, was sie eigentlich gar
nicht tun wollten.
Das nächste Mal, wenn Du Dich in einer
gefährlichen oder unbequemen Situation befindest, erinnere
Dich an diese Tips. Dies ist ein freies Land. Du hast das
Recht, Deine eigenen Entscheidungen zu treffen. Laß nicht
zu, daß andere sie für Dich treffen!
– GN Mai-Juni 2003

Gute Nachrichten
Postfach 301509
D-53195 Bonn
|
| Telefon: |
(0228) 9 45 46 36 |
| Fax: |
(0228) 9 45 46 37 |
| E-Mail: |
info@gutenachrichten.org |